Mehr als ein Haus am See
Das Fischerhaus auf der Surseer Halbinsel wurde 1941 während des Zweiten Weltkriegs durch die Korporation Sursee erbaut. Während Jahrzehnten wurde von hier aus die Berufsfischerei auf dem Sempachersee betrieben. Eine Tradition, die an diesem Ort weit über die Zeit des Gebäudes hinaus zurückreicht.
Als das Ensemble aus Fischerhaus, Bootshaus und Ökonomiegebäude zunehmend sanierungsbedürftig wurde, stand die Korporation vor einer wegweisenden Entscheidung: Aufgeben oder erhalten? Die Antwort war klar. Das Fischerhaus sollte bewahrt werden. Nicht nur als Gebäude, sondern als lebendiges Zeugnis der Fischerei, als Teil der Kulturgeschichte Sursees und als Arbeitsplatz für kommende Generationen von Berufsfischern.
Aquarell, Edouard Bouilliere, 1946
Architekt Fritz Amberg, November 1940
Zwischen See, Wald, Denkmalpflege und UNESCO-Welterbe
Die Planung begann bereits 2009. Was folgte, war ein langer Weg voller Abklärungen, Gutachten und Projektanpassungen. Die Ausgangslage war aussergewöhnlich komplex.
Das Fischerhaus liegt an einem Ort, an dem zahlreiche Schutzinteressen zusammentreffen:
Die Korporation Sursee musste immer wieder neue Nachweise erbringen, Pläne anpassen und Lösungen erarbeiten. Das Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalfragen würdigte den ausserordentlichen Wert des Ensembles und verlangte darum einen besonders sorgfältigen Umgang mit der historischen Bausubstanz.
Bild 1 + 2: Ausschnitte aus «Erläuterung Gutachten EKD» Denkmalpflege, 14.08.2020
Bild 3: Ausschnitt aus der Stellungnahme der Denkmalpflege, 18.07.2020
Aus einem Projekt wird Realität
Nach unzähligen Gesprächen, Vorprüfungen und Überarbeitungen kam schliesslich der entscheidende Moment: Am 9. März 2022 lag die rechtskräftige Baubewilligung vor.
Damit war ein Meilenstein erreicht. Die Bewilligung bestätigte, dass die Erhaltung der Berufsfischerei und die Restaurierung des Ensembles im öffentlichen Interesse liegen.
In der Folge wurde das Fischerhaus umfassend restauriert und technisch erneuert. Historische Bauteile blieben erhalten, während gleichzeitig moderne Anforderungen an Energie, Hygiene, Arbeitssicherheit und Fischereibetrieb umgesetzt wurden.
Einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Erscheinungsbild des Fischerhauses leisteten dabei die beteiligten Handwerksbetriebe. Mit grossem Fachwissen, Sorgfalt und Respekt vor der historischen Bausubstanz gelang es ihnen, Tradition und moderne Anforderungen erfolgreich miteinander zu verbinden.
Besonders anspruchsvoll war dabei der Spagat zwischen Erhalt und Erneuerung:
Dank der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten und der hohen handwerklichen Qualität präsentiert sich das Fischerhaus heute als lebendiges Zeugnis der Fischereigeschichte und als zeitgemässer Arbeitsort für die Berufsfischerei.
Vergangenheit bewahren – Zukunft ermöglichen
Heute steht das Fischerhaus für weit mehr als eine erfolgreiche Sanierung. Es bewahrt eine Berufstradition, die seit Jahrtausenden mit dem Sempachersee verbunden ist. Archäologische Funde belegen, dass an diesem Ort bereits vor über 5000 Jahren Menschen lebten und fischten.
Das restaurierte Ensemble verbindet Geschichte und Gegenwart:
Das Fischerhaus zeigt eindrücklich, was möglich wird, wenn Weitsicht, Ausdauer und Verantwortung zusammenkommen.